Aletschhorn 4193 m

Der Gnadenlose

Das Aletschhorn ist ein großer Berg, in jeglicher Hinsicht. Steht es doch recht exponiert inmitten der Berner Alpen, umrundet von großen Gletscherströmen wie dem großen Aletschgletscher im Norden und dem Oberaletschgletscher im Süden. Nicht selten ist es deswegen auch recht kalt an diesem Berner Riesen.

Gleich vorneweg sei auch gesagt, dass alle Anstiege auf diesen imposanten Gipfel von langer Dauer sind. Nichts wird einem geschenkt bei seiner Besteigung, dafür aber entlohnt der Blick von diesem Gipfel in wirklich atemberaubender Weise, da er nach dem Finsteraarhorn die zweithöchste Erhebung der Berner Alpen darstellt. Aufgrund seiner zentralen Lage reicht der Blick ringsum in weite Ferne.

Infolge der Zerstörung des Mittelaletschbiwaks bildet die hier beschriebene Route über die SW-Rippe den aktuell gängigsten Anstieg. Allerdings sind knapp 2000 Hm von der Oberaletschhütte zu überwinden, bis der Gipfel erreicht ist, wofür gute 7-8 Stunden Aufstiegszeit einzukalkulieren sind, bei guten Verhältnissen wohlgemerkt.

Die Tour selbst stellt eine kombinierte Genußtour in klassich westalpiner Umgebung dar. So reihen sich lange Gehstrecken in Moränenschutt, Blockgelände, Gletscher und recht steile Firn-, Eis und Felspassagen zum Ende der Tour hin aneinander. Beim Abstieg erfolgt das Ganze dann in umgekehrter Reihenfolge mit dem Abschlussschmankerl von ca. 200 Hm Gegenanstieg ganz zum Ende der Tour, steil hinauf über Leitern und Drahtversicherungen zur Oberaletschhütte, tatsächlich nicht enden wollend einfach gnadenlos lang. Somit wird es für Normalalpinisten in der Regel ein langer Tag an diesem Berg, eine Bombenkondition bildet die absolute Grundlage, um diese Tour in ihren ganzen Zügen in guter Erinnerung behalten zu dürfen.

Aletschhorn SW-Rippe (01.-03.07.2023)


Talort:

Belalp, 2094 m

 Stützpunkt: Oberaletschhütte 2640 m
Aufstiegsroute: SW-Rippe
Abstiegsroute: SW-Rippe

Gipfelhöhe:

4193 m

Höhenmeter:

Belalp - Oberaletschhütte: 900 m (aufgrund von Gegenanstiegen)

Oberaletschhütte - Aletschhorn: knapp 2000 m (aufgrund von Gegenanstieg)

 

Dauer:

Oberaletschütte - Aletschhorn:7-8 h

Schwierigkeiten:

ZS-/ZS                                                                                                                                        Schutt/Geröll/Blockgelände, Fels bis II, im oberen Teil der Rippe ziemlich steiles Gelände in Rinnen- und Couloirsystemen

Kartenmaterial:

LK 1269 Aletschgletscher, Blatt 1249 Finsteraarhorn, GOOGLE MAPS

Wetterinformationen:

METEO Schweiz, MeteoGroup Schweiz AG

Tourdatum und eigene Zeit:

01./02.07.2023

Aufstieg:

Belalp - Oberaletschhütte:                              3h 20 min

Oberaletschhütte - Aletschhorn:                  8h 40 min

 

Abstieg:

Aletschhorn - Oberaletschhütte:                  8 h 30 min

Seilschaft:

Dominik Gottlieb, Andreas Brendle

Hinweis:

Aufgrund der Länge dieser Tour wurde eine zweite Übernachtung auf der Hütte einberaumt. Der Abstieg nach Belap erfolgte am 03.07.2023.


Routenbeschreibung

Direkt von der Hütte geht es zunächst steil ca. 200 Hm über drahtversichte und durch mehrere Leitern erschlossene Felsplatten hinab auf den Oberaletschgletscher. Diesem folgt man über längere Zeit auf der Obermoräne in nordöstlicher Richtung. Der Aufbruch zu dieser Tour erfolgt in aller Regel sehr früh gegen 02:00 Uhr, so dass die ersten drei bis vier Stunden bei relativer Dunkeheit gegangen werden muss. Dies stellt aber überhaupt kein Problem dar, da die Wegstrecke mit Katzenaugen sehr gut markiert ist. Ohne diese wäre die Orientierung hier sehr erschwert.

Auf ca. 2600 Hm wird die Obermoräne nach rechts in Richtung Punkt 2706 (Beginn der Felsen am Fuß der Aletschhorn SW-Flanke) verlassen. Hierzu nun recht steil im Moränen-Schutt aufsteigen. Dieser Abschnitt wurde 2022 vom Oberaletschgletscher aus gesehen etwas weiter rechts neu angelegt, da die alte Wegführung aufgrund Objektiver Gefahren durch Materialabrutsch nicht mehr begehbar ist. Auch dieser Abschnitt ist mit Katzenaugen gut markiert und an den steilen Stellen mit Drahtseilen gesichert.

Auf ca. 2750 m wendet sich der Pfad nach links, steigt weiter leicht an und dreht auf einer Höhe von 2930 m erneut nach links. Hernach bei ca. 3030 m steilt das Gelände nun deutlich auf und man erklimmt in festem Blockwerk (Stellen II) den Felsrücken. Der Rücken wird nun mehr zum Grat und wird deutlich ausgeprägter, weiter geht es über Blockgelände bis zu Punkt 3382. Hier verliert sich der Gratrücken im nun folgenden Firn-/Eisabschnitt. Je nach Verhältnissen kann der Übergang vom Fels auf das Eis schwierig sein, da die Randkluft mitunter dann nur sehr schwer oder gar nicht zu überwinden ist.

Auf dem nun folgenen Gletscher wird leicht rechts ausholend aufgestiegen, somit wird die größte Spaltenzone linkerhand umgangen. Ungefähr auf Höhe von Punkt 3736 erfolgt der Übergang auf die nun folgende eigentliche SW-Rippe. Hierbei sucht man sich den bestmöglichen Übergang. Alternativ kann auch direkt über ein sehr steiles Firnfeld (ca. 50°) etwas oberhalb von Punkt 3736 auf die Rippe aufgestiegen werden, dies ist allerdings bei Blankeisbildung heikel.

Im weiteren Verlauf wird zunächst linksseitig des Grates weiter aufgestiegen, zu Beginn noch recht flach, dann immer steiler werdend. Die nun folgende Rippe ist nicht sehr ausgeprägt und besteht aus  couloirartigen Rinnen, Fels- und Firnabschnitten. Ab ca. 3930 m hält man sich tendenziell nun eher rechtsseitig. Zur Sicherung wurden ab hier in Abständen von ca. 25-30 m vor einigen Jahren Sicherungsstangen und teilweise Bohhaken angebracht, was auch die Orientierung in diesem Abschnitt deutlich erleichtert. Bei Nebel oder schlechter Sicht kann diese nämlich hier herausfordernd sein. Immer den Sicherungsstangen folgend erreicht man schließlich den Gipfel.

Bei unserer Besteigung waren aufgrund eines am Vortag erfolgten Wettersturzes der lose Schutt und die Felsabschnitte alle vereist und die Rinnen überwiegend mit gutem Trittfirn gefüllt. Somit erfolgte die Begehung vollständig mit Steigeisen, jedoch waren diese eher winterlichen Verhälnisse kein Nachteil, da somit weniger Steinschlag oder dergleichen zu befürchten war. Zudem sind die Rinnen doch recht steil, so dass guter Trittfirn hier ebenfalls hilfreich gewesen ist.

Empfehlenswert ist auf jeden Fall die Benutzung der vorhanden Sicherungsmöglichkeiten aufgrund der Steilheit des Geländes.

Der Abstieg erfolg exakt der Aufstiegsroute.


Die Tour in Bildern